R&A und USGA leiten die nächsten Schritte für ein globales Handicap-System ein

von Frank Kämmerling

R&A und USGA sind die Motoren für ein globales Handicap-System

Der Royal and Ancient Golf Club of St. Andrews (R&A) und die United States Golf Association (USGA) haben zu Beginn 2018 mit einer weltweiten Pressemeldung die nächsten Schritte hin zu einem globalen Handicap-System eingeleitet. Ziel ist, die derzeit sechs bestehenden Handicap-Systeme (von Australien bis Europa) zu einem gemeinsamen Code zusammenzufassen.

Auch die eigentlichen Golfregeln werden durch R&A und USGA erstellt und fortgeschrieben, so dass für ein einheitliches Handicap-System die etablierte internationale Struktur übernommen werden soll. Das in Deutschland derzeit gültige Vorgabensystem ist dem Deutschen Golf Verband von der European Golf Association (EGA) lizensiert. Die EGA wird auch zukünftig das weltweite Handicap-System von R&A und USGA an die Nationalverbände, so auch den Deutschen Golf Verband, in Lizenz weiterreichen.

 

Die Idee hinter einem weltweit einheitlichen Handicap-System

Mit dem künftigen World Handicap System soll, so die Urheber, das Alleinstellungsmerkmal des Golfsports, nämlich das Handicap, leichter zu verstehen sein und weltweit weitgehend einheitlich berechnet werden.

Kerngedanke der ins Auge gefassten neuen Regularien ist die Einführung einer, ähnlich bereits in den USA praktizierten, Durchschnittsberechnung, aus der sich das jeweilige Handicap errechnet. Als Grundprinzip soll gelten, dass sich ein Handicap aus den besten acht der letzten 20 Ergebnisse eines Spielers ergibt. Ein solches „Averaging System“ bringt z. B. den Vorteil, dass auf komplizierte Vorgabenklassen, Herabsetzungsmultiplikanden, Pufferzonen usw. verzichtet werden kann. Ein echter Schritt nach vorn. Andererseits wird es dann nicht mehr möglich sein, ein etwaiges neues Handicap nach einer Runde selbst auszurechnen. Denn die Ermittlung des Durchschnitts aus den dann ggf. neuen acht besten Ergebnissen kann man kaum im Kopf vornehmen. Einzelheiten bzw. ein finaler Entwurf liegen nach aktueller internationaler Planung Anfang 2019 (zunächst in englischer Sprache) vor.

 

Die notwendigen Schritte bis zu einer Einführung

USGA und R&A zielen mit dem neuen System, das noch weiterer weltweiter Beratungen bedarf, auf das Einführungsjahr 2020 ab.

„Der Deutsche Golf Verband unterstützt die Initiative grundsätzlich, sieht aber noch viel Arbeit auf alle Beteiligte zukommen, bevor über einen endgültigen Einführungszeitpunkt (in Deutschland) gesprochen werden kann. Auch vor dem Hintergrund, dass 2019 zunächst einmal grundlegend überarbeitete Golfregeln umgesetzt werden müssen, setzt sich der Verband intensiv dafür ein, dass Planbarkeit und ein geordneter Einführungsprozess vor Schnelligkeit gehen“, sagt Alexander Klose, Vorstand Recht & Services des Deutschen Golf Verbandes.

Malcolm Gourd, zuständig für Golfregularien im Deutschen Golf Verband, ergänzt: "Wichtig wird sein, dass wir unseren Mitgliedern und den Golfspielerinnen und Golfspielern früh genug die für sie wichtigen Informationen geben können, damit niemand von dem was da kommt überrascht wird und genügend Zeit ist, mögliche Auswirkungen zu testen und alle Beteiligten mitzunehmen."

Seit längerer Zeit bringt sich der DGV als oberste Handicap-Instanz in Deutschland in den internationalen Abstimmungsprozess ein. So sind wir in bilateralen Gesprächen mit USGA und R&A im Interesse von „Golf in Deutschland“ engagiert und auf den zum Thema stattfindenden Konferenzen aktiv. Dabei geht es nicht nur um inhaltliche Fragen (z. B. Beibehaltung des bekannten Systems zum Spiel vorgabenwirksamer Neun-Löcher-Runden und EDS-Runden, Ablehnung der Idee, dass für Handicap-Zwecke nur die Mehrzahl der Löcher einer Runde nach den Golfregeln gespielt werden müssen). Besonders wichtig sind vor allem die Rahmenbedingungen zur Einführung des neuen Systems. So ergibt die aktuelle Einschätzung, dass der verbleibende Zeitraum bis zum anvisierten Jahr 2020 zu kurz erscheint, um die notwendigen Schritte geordnet gehen zu können. Dazu gehört nämlich u. a. die (abschließende) Bewertung der neuen Regelungsinhalte einschließlich der Prüfung der technischen Spezifikationen (Berechnungsformeln), die Übersetzung ins Deutsche, die ausführliche Information aller maßgeblichen Beteiligten im deutschen Golf, die Einbeziehung der DGV-Mitglieder vor einer endgültigen Entscheidung zur Umsetzung, die Berücksichtigung denkbarer Auswirkungen auf das Golfangebot in Deutschland, die Einräumung eines ausreichenden Zeitraums zur Programmierung der Clubverwaltungssoftware und die Planung und Erstellung eines vernünftigen Unterstützungspakets für die Verantwortlichen auf den Golfanlagen zum Zeitpunkt der Einführung sowie eine Infopaket für alle Golfspieler/innen.

Weitere Informationen erhalten sie auch beim DGV.

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