1. Spieltag

Da war er nun, der erste Spieltag. Eigentlich ja der zweite, aber es gibt ja nur 5 Teams in der ach so gefürchteten Gruppe F. Man munkelt, mehrere Mannschaften hätten sich im Vorfeld versetzen lassen, um nicht in dieser Todesgruppe gegen den Abstieg zu spielen. Wir nicht! Im Gegenteil, der Blick ging eher nach oben. Der Wille war da als Überraschungsmannschaft fett aufzutrumpfen. Die Golfrange aus Dortmund bot sich da schon sehr für uns an, bekanntes Terrain, vergleichbar mit unserem Kurzspielplatz. Da Christoph und ich die einzigen waren, die aus dem wahnsinnig großen Pool von Ak30 2 Spielern übrig geblieben sind, mussten die Kapitäne der AK50  ihre Drähte heiß laufen lassen, um uns mit ambitionierten, aus Erfahrung strotzenden Golfern auszuhelfen. Reibungslos fanden sich vier tapfere Gesellen, die dem Druck der Gruppe F gewachsen waren. Es passte auch soeben mit der Handicapgrenze von 90, wir hatten 89. Wie es sich für einen Captain gehört, checkte ich die Gemütslage der Truppe im Vorfeld auf der Range, Bernie traf ich auf der Terrasse. Ein Kaffee stimmte ihn auf Abschlag 1 ein. Der Wind, der dort herrschte war nicht von schlechten Eltern. Das konnte ja was werden. Ich startete souverän, wie es sich für den Kapitän der 30 2 gehört, mit einem ganz passabel gespielten Holz 5 ins Spiel. Fühlte sich gut an endlich im Ligaalltag angekommen zu sein. Endlich ist die Saison, endlich kann man über sich hinauswachsen. Schlappe 100 Meter bis zum Stock und das erste Birdie könnte notiert werden. Beim dritten provisorischen Ball beschloss der Flight gemeinsam, dass einer der wunderbar gespielten Bälle schon vor der Ausgrenze zu finden sei. Mir wurde ein wenig mulmig.                                                                                                        

Aber tatsächlich, unter einem Baum mit tief hängenden Ästen lag der erste Ball. Nicht im Aus, alles gut. Par war noch locker drin. Was dann kam, weiß ich nicht mehr, aber die 7 war notiert. Großartiges Gefühl mit einem Tripplebogey zu starten. Die nachfolgenden Löcher der ersten Runde waren eher schlecht als recht. Da wurde der Platz auf einmal doch sehr hinterlistig. Eigenes Unvermögen setzen dem Ganzen noch die Krone auf. Aber hey, ein Doppelpar spielt man auch nicht alle Tage. Haben die Ranger eigentlich absichtlichen Fallen auf dem Platz installiert? Die Abschläge waren so eng gesteckt, dass ich meinen Bauch einziehen musste, um zwischen den gelben Pflöcken Platz zu finden. Die Vorgrüns waren so sehr gewässert, dass jegliches Bemühen, den Ball irgendwie vorher zum Rollen zu bringen, scheiterte. Stellenweise habe ich meine Anglerhose anziehen müssen um durch eine Mondlandschaft aus platt getretenen Kratern zu chippen. Keine Ahnung was da los war. Aber schön grün war es und die Sonne schien auch. Dies soll natürlich keine Ausrede sein, wie die fabelhafte 44 zu Stande gekommen ist, aber ... ach egal. Die zweiten 9 verliefen dann deutlich besser, abgerundet mit einem Chip in zum Birdie auf der 18. 82 Schläge standen zu Buche. Was ham die Jungs gemacht? Die Terrasse war gut gefüllt, Bernie saß wieder auf dem Platz auf dem ich ihn vor der Runde begrüßte. War er überhaupt spielen? Möglich war heute alles. Er war nicht unzufrieden mit seiner 86, denn er wusste ja bereits was die Sportsmänner aus den anderen Clubs so reingebracht haben. Der Professor war leider nicht mehr zu sehen, sollte aber auch irgendwas um die 89 gespielt haben. Heiko, der heute übrigens auf der Range sein Ligadebüt gab, hob sogar noch die Qualität der Grüns hervor. So viele Dreiputts wie heute haben wir schon lange nicht mehr geschossen. Da waren wir uns einig. Heikos 93 war ein gelungene Eröffnung mit Luft nach oben. Guido musste mit 94 den Streicher machen, ließ aber im Blick auf die Bruttoplatzierung (fast) einstellige Handicapper hinter sich. Also warteten alle gespannt auf die 81. Wenn er noch mal so richtig einen raushaute, war noch alles möglich. Die Spannung auf der Terrasse konnte nicht größer sein, als Christoph sein Ergebnis mitteilte. Ein Schlag besser als auf der, in  den Geschichtsbüchern des Golfsports verewigten, gespielten Runde in Dreibäumen. Eine 80. der Wahnsinn! Nur leider eben nicht auf der Range. Unterm Strich haben wir herausgefunden, dass bei uns allen noch Luft nach oben ist und das Ergebnis konnte sich für unsere Aufstellung mehr als sehen lassen. Satte zwei Schläge Vorsprung zur roten Laterne aus Bochum und nur 5 Schläge Rückstand zum zweitplatzierten, den Nachbarn von der anderen Straßenseite. Die Golfrange ist Tabellenführer mit satten 30 Schlägen Vorsprung zum zweiten.  Also alles noch drin. In Bochum wartet die nächste Aufgabe auf uns. Am zweiten Spieltag wird dann wieder von oben gegrüßt. Vielen Dank noch einmal an alle Ü 50 Spieler, die heute unsere Mannschaft so bereichert haben, bis demnächst...

 

Marc Hollmann (Captain)